Dienstag, 10. Juli 2018

Abgefuckt liebt dich

Eine erdrückte Gestalt,
die Augen tief in dunklen Höhlen versunken,
ihr Gesicht wird von Haarsträhnen verdeckt,
in ihr nährt sich der Tod.

Wie gerne sie sich von aller Last befreien würde,
ein Ringen nach Luft,
doch der Zweifel erlischt,
einmal ganz frei sein.

Keine Träume, keine Ziele, 
nichts, was von Bedeutung wäre,
zwei müde Beine,
das brennen unter der Brust.

Sobald die Lichter erloschen sind,
rinnen Tränen über ihre Wangen,
dieser unermesslicher Druck,
droht sie zu zerbersten.

Wieder und wieder,
immerfort das gleiche Geschehen,
übersättigt und ruhelos,
die Zeit hämmert auf sie ein.

Dienstag, 26. Juni 2018

Intra-Rail-Tour

Meine Beine laufen einfach weiter. Ich bin eigentlich schon viel zu erschöpft, aber eine Pause kann ich erst einlegen, wenn ich einen sicheren Ort gefunden habe, an dem ich mich beruhigt niederlassen kann. Dort sollen sich keine Menschen befinden, denn denen bin ich seit wenigen Stunden sehr abgeneigt. Immer wenn ich ihnen begegne, starren sie mich an, lachen über mich oder fangen an zu tuscheln. Ich muss mich in Sicherheit bringen. Wer weiß, was alles passieren könnte, wenn ich ihnen mehr Zeit zum Überlegen geben würde. Ich male mir aus, welche Übergriffe ich verkraften könnte und welche mich womöglich langfristig traumatisieren würden. Während ich weiterhin mit strammem Schritt durch die Stadt laufe, wird mein Bedürfnis nach Trinkwasser immer größer. Was ich nur alles für ein bisschen Wasser tun würde; mir fehlt ein genauer Plan. Immer wieder muss ich alle Kräfte zusammennehmen, um mich aus diesem Wahnsinn herauszukatapultieren - zwecklos. Es sind viel zu viele Eindrücke um mich herum, sodass ich mich nicht auf die Realität konzentrieren kann. Das einzige, was sich dabei bemerke, ist ein unangenehmes Drücken in meinem Körper, wenn ich versuche dagegen anzukämpfen. So als würden mich meine eigenen Gedanken zerquetschen wollen; sozusagen eine selbstinduzierte Kompression.
Im Schutz der Dunkelheit wage ich mich an eine Haltestelle und beschließe, den nächsten Zug nachhause zu nehmen. Es wird ja wohl möglich sein sich für eine winzige Zeitspanne zivilisiert zu verhalten, keine Selbstgespräche zu führen, verräterische Gesichtsausdrücke zu vermeiden und nicht ständig jedes kleine Details im Raum genauestens inspizieren zu wollen. Mir bleiben noch wenige Minuten, um mich auf diese Meisterleistung vorzubereiten. Es kommt mir allerdings vor, wie Stunden, die ich hier warten muss. An mir fahren Autos vorbei, die ein schönes Lichtspiel erzeugen. Das Scheinwerferlicht teilt sich immer weiter in Fraktale auf. Es fällt mir schwer mit den Gedanken bei meinem Vorhaben, der Zugfahrt, zu bleiben.
Nachdem mich der eintreffende Zug wieder aus meinen Gedanken reißt, steige ich hastig ein und setze mich dort auf den erstbesten freien Platz an der Tür. Um als Fahrgast möglichst unauffällig zu wirken, stopfe ich mir Kopfhörer ins Ohr und starre auf meinen Handybildschirm. Meine Finger wischen wild durch die Musik-Bibliothek, auf der Suche nach einer Band, die mich aus dieser Paranoia herausholt. Wenn mein Musikgeschmack nicht so deprimierend, laut und wütend wäre, hätte ich sicher nicht dieses alberne Problem, eine passende musikalische Begleitung zu meiner Reise zu finden. Um mich herum toben alle Muster und Formen, nehmen andere Gestalten an und bewegen sich zur Musik. Wenn doch diese blöden Menschen nicht hier wären, dann könnte ich aufspringen und meine Expedition fortsetzen. Da ich befürchte, im Zug sitzen zu bleiben oder an einer falschen Station auszusteigen, stelle ich mir möglichst viele Weckalarme auf meinem Handy. Nun werde ich alle fünf, teilweise sogar zwei Minuten, daran erinnert, dass ich bald aussteigen muss
Ich wünsche mir einen Vormund, am liebsten temporär, damit er zumindest heute Nacht die Verantwortung für mich übernimmt. Ich fühle mich wie ein Kind, das an irgendeiner Stelle seines Reifeprozesses hängen geblieben ist und dadurch in schwierigen Situationen nicht genau weiß, was zu tun ist. Es muss auf jeden Fall weitergehen - und wenn es erst durch eine Intra-Rail-Tour geschieht.

Dienstag, 29. Mai 2018

Samstag, 26. Mai 2018

Thinking about chemistry


Uninformed people:



 










 Chemical lab assistants:







Mittwoch, 2. Mai 2018

Verirrt


 Wir sind am frühen Morgen nur noch zu dritt. Neben mir kippt schon ihr Kopf zur Seite. Wir sitzen in der Bahn und fahren raus aus der Stadt, geradewegs in den Sonnenaufgang hinein. Mein Körper ist mit blauen Flecken übersät, Bier klebt auf meiner Kleidung und ich habe den Geschmack von Zigaretten im Mund. Ich bin durcheinander, da ich das Gefühl nicht los werde, heute jemand anderes gewesen zu sein.